PAN – der Film?

Pan? Hah!

Welches Mädchen will schon Pan, wenn sie stattdessen gerade von Capt’n Hook zum aufregendsten Abenteuer ihres Lebens auf die Jolly Roger entführt wird?

Hook2

~~~

Eine Hand in meinen Rücken gelegt, bugsiert er mich zur nahegelegenen Gangway, die an Deck führt, und lässt mir den Vortritt. Meine ganze Aufmerksamkeit ruht auf meinen Füßen und den vorsichtigen Schritten, die ich mache, denn die Holzplanke hat leider kein Geländer, und ich will ja nicht zwischen Küste und Schiff ins Meer stürzen. Je weiter ich komme, umso mehr schwingt die verdammte Planke. Jamies Fußtritte hinter mir geben mir ein wenig Sicherheit.

Mit einem kurzen Blick nach oben vergewissere ich mich, dass wir schon mehr als die Hälfte des Weges hinter uns haben. Gleichzeitig entdecke ich an Deck einen äußerst schmutzigen Matrosen. Er trägt ein löchriges Hemd und ein schwarzes Kopftuch. Von seinem locker sitzenden Ledergürtel hängt ein echter Säbel und sein linkes Auge ist hinter einer schwarzen Augenklappe verborgen.

Wie versteinert bleibe ich stehen.

Jamie knallt von hinten in mich rein, doch er hält mich gerade noch fest und vermeidet dadurch, dass ich in die Fluten stürze. „Was ist los?“, haucht er in mein Ohr.

Ich drehe meinen Kopf zwar zu ihm, behalte den bewaffneten Mann dabei aber stets im Auge. „Bist du sicher, das ist das richtige Schiff?“

„Ja, natürlich.“

„Hast du gesehen, was die alle anhaben? Ich glaube, das sind Piraten.“

„Nur keine Sorge“, erwidert Jamie mit einem gelassenen Schmunzeln. Aber ich mache mir Sorgen. Gänsehaut breitet sich über meinem Rücken aus. Ich möchte umdrehen und zurück an Land gehen, doch Jamie versperrt mir den Weg und drängt mich weiter.

Nur noch ein paar Schritte und ich stehe auf dem weiten Deck. Die Männer rund um mich herum tragen alle die gleichen schmutzigen Sachen und beäugen mich gierig. Als einer von ihnen lüstern lächelt, blitzt hinter seinen Lippen ein Goldzahn hervor.

„Jamie?“, krächze ich. Meine Knie werden butterweich. „Ich glaube, wir sind hier auf dem falschen Schiff.“

„Entspann dich, Engelchen.“ Den Kosenamen hat er bestimmt nicht gedankenlos gewählt. Seine Fingerspitze streichelt in einer unangenehmen Liebkosung meinen Nacken hinunter. „Wir sind ganz genau da, wo wir hinwollten.“

Ich sauge entsetzt die Luft durch mein verkrampftes Gebiss ein und wirble zu ihm herum. Jamie befreit sich mit nun offensichtlicher Abneigung aus seinem Gehrock und wirft ihn über Bord. „Ah, schon viel besser!“ Er lockert seine Schultern und stöhnt erleichtert auf.

Nun trägt er nur noch ein einfaches Leinenhemd mit langen Ärmeln, das am Kragen geschnürt ist. Himmel, wieso ist mir vorhin nicht schon aufgefallen, dass das Hemd in keinster Weise zu seinem vornehmen Mantel passt? „Du – du bist einer von ihnen“, sage ich mit heiserer Stimme. „Du bist ein Pirat.“

Hohn blitzt in seinen blauen Augen auf. Bei seinem zynischen Lächeln gefriert mir das Blut in den Adern. „Und der hässlichste, grausamste und gemeinste von allen noch dazu … hat man mir erzählt.“

Der Mann mit dem Goldzahn tritt an Jamie heran und überreicht ihm einen weiten schwarzen Hut mit einer einzelnen, buschigen Feder darauf, dann legt er die Hände um den Mund und schreit aus voller Lunge: „An die Arbeit, ihr räudigen Hunde! Der Käpt’n ist an Deck!“

„Hook“, entweicht mir ein beinahe lautloses Flüstern.

Jamie fährt sich mit einer Hand durchs Haar und setzt den Hut auf. Sein verruchter Blick durchbohrt mich, während sein Lächeln zu einem gefährlichen Versprechen wird. „Willkommen an Bord der Jolly Roger.”

~~~

Tja, Angelina McFarland steckt wohl wirklich in Schwierigkeiten. Wäre sie doch lieber bei Peter und den Verlorenen Jungs geblieben. Oder auch nicht …

Angel

Die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, grinst Hook voll Hohn. „Irgendwelche letzten Worte?“

„Fahr zur Hölle, du dreckiger … fieser … gottverdammter …“

Seine Nasenspitze berührt beinahe meine, als er seinen Kopf zu mir neigt und eine verirrte Haarsträhne hinter mein Ohr streift. „Engelchen, das Wort, das du suchst, ist Pirat.“

Peter

Aber was ist mit Peter Pan? Wird er Angelina retten?

Und falls er sich dazu entschließt … will Angelina dann überhaupt noch gerettet werden?

~~~

Als offenkundige Herausforderung zieht Hook beide Augenbrauen nach oben. „Und was macht dich da so sicher?“

„Mein kleiner Freund hier!“ Ich mache einen Satz nach vorn und ziehe dabei den Dolch aus meiner Tasche. Mit gestrecktem Arm halte ich ihm die Spitze der Klinge an den Hals. Hah! Sprachlos vor Überraschung sieht Hook mich mit weiten Augen an und hebt dabei das Kinn, um dem Druck des Messers nachzugeben. „Na? Überzeugt?“, frage ich schnippisch.

Belustigung vertreibt die Überraschung aus seinem Gesicht und er beginnt zu schmunzeln. „Nicht so ganz.“ Dann legt er seine Hand um meine auf den Dolch und führt ihn weg von seiner Kehle. Einfach so.

Vor Schreck steht mir der Mund offen.

Er richtet sich auf und tritt auf mich zu. Ich kann nicht einmal zurückweichen, weil er immer noch meine Hand festhält. Zweifellos würden meine Finger zittern, wenn er sie nicht so kräftig drücken würde.

„Lass mich eine Sache klarstellen, Angel“, sagt er mit tieferer und viel ernsterer Stimme als zuvor und neigt dabei seinen Kopf nach unten, sodass wir uns aus fünf Zentimetern Entfernung in die Augen sehen. „Richte niemals eine Klinge auf einen Piraten, wenn du dir nicht einhundertprozentig sicher bist, dass du auch zustechen wirst.“ Er streift mir eine verirrte Haarsträhne aus den Augen und hinter mein Ohr. Seine Hand bleibt daraufhin sanft auf meinem Nacken liegen. „Wenn du auch nur einen Funken der Unbarmherzigkeit in dir hättest, die du gerade versuchst vorzutäuschen, dann hättest du längst den Standort des Schatzes benutzt, um dich freizukaufen.“

Obwohl sein Atem nach Rum riecht, ist sein Blick nüchtern. Hat er mir etwa gerade einen Handel angeboten?

Zärtlich streichelt er die empfindliche Stelle unter meinem Ohr mit seinem Daumen und ganz plötzlich kann ich mich kaum noch konzentrieren. Seine blauen Augen wirken so viel wärmer als bei unserer letzten Begegnung. Obwohl sich unsere Brauen nicht berühren, kann ich das sanfte Kitzeln seines Haars auf meiner Stirn spüren. Was hat er bloß vor?

„Ich vertraue dir nicht“, flüstere ich und versuche durch mehrmaliges Blinzeln aus seinem nicht zu brechenden Bann freizukommen.

„Ich weiß“, flüstert er zurück.

~~~

Und jetzt verratet mir doch mal ehrlich: Ist diese Liebesgeschichte nicht hundertmal schöner, als ein Pan-Film, in dem es überhaupt keine Romantik gibt? 😉

NL Kindle

HERZKLOPFEN IN NIMMERLAND!

Auf ins Abenteuer!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s