Was könnte gefährlicher sein als ein Virus?

Hallo, hier spricht Anna und ich möchte heute gerne einen Gedanken mit euch teilen.

 

Leben und leben lassen.

 

Diese einfache Aussage war noch nie so schwer zu deuten wie in der jetzigen Zeit.

Tatsächlich fällt es mir sogar ungewohnt schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich mir wünsche, dass mich jeder verstehen kann und nicht bereits nach dem ersten Absatz aufhört zu lesen, weil er mit einer Emotion reagiert, die eine Mauer errichtet. Ich gebe mein Bestes und ich hoffe, ihr gebt mir eine Chance…

Heute möchte ich etwas zu Corona, der aktuellen Krise, den Menschen auf dieser Welt und Toleranz sagen. Und zwar aus dem Grund, weil ich schon seit Wochen etwas beobachte, was mich immens traurig macht.

Als Autorin halte ich mich ja doch relativ viel auf Facebook auf und dort kommt man dem Ganzen leider zurzeit absolut nicht aus, ob man will oder nicht. Tausende Beiträge über den Virus, die Angst, den Lock-down, die Wirtschaft, die Maskenpflicht… und nicht zuletzt die Entfremdung der Menschen.

Aber gerade hier liegt für mich der Casus Knaxus. Die Entfremdung entsteht meiner Meinung nach gar nicht mehr dadurch, dass uns die Regierung von unseren Freunden und Familien trennt, sondern durch die Anfeindungen untereinander. Weil plötzlich (oder vielleicht schon immer als ein grundlegender Charakterzug der Menschheit) jegliche Toleranz verlorengeht.

Der Virus spaltet das Volk.

Ich muss gestehen, als die ganze Sache im März losging, war ich auch total im Widerstand. Ich habe viele Theorien gehört, was der wahre Grund für die Krankheit und die Todesfälle sein könnte. Ich habe mir meine eigene Meinung gebildet. Und ich habe sie in all der Zeit mehrmals geändert. Das kommt sehr viel davon, weil wir in den letzten Jahren, wenn nicht sogar jahrzehntelang oder überhaupt schon seit Anbeginn von “Regiments” als niederes Volk immer wieder und größtenteils belogen wurden.

Dort wo die Habgier regiert, ist kein Platz mehr für Mitgefühl und Menschlichkeit.

Nun, was soll unsereins denn aber nun wirklich glauben? Gibt es den Virus wirklich oder doch nicht? Ist er tödlich oder verläuft er harmlos? Wird er uns über Jahre begleiten oder wurde er uns nur geschickt, damit die Welt kurz einmal stehenbleibt und die Menschen Zeit haben, sich umzusehen und zu begreifen, was alles falsch läuft und wie verantwortungslos wir mit der Erde, den Tieren, den Pflanzen und auch mit unseren Mitmenschen umgehen?

Es gibt viele Fragen und leider keine zureichenden Antworten. Zumindest bekommen wir diese ganze bestimmt nicht von unserer Regierung, einem Präsidenten, den Fernsehsendern, oder auch von Menschen, die ihre Artikel online stellen – so wie ich es gerade mache.

Aber ich will gerade auch keine Antwort auf diese Fragen geben. Ich will sie nicht einmal finden, denn ihr Lieben, ganz ehrlich, ich bin inzwischen der Meinung, dass jeder Mensch seine persönliche Wahrheit nur noch in sich selbst durch tiefes Erspüren finden kann. Und diese Wahrheit kann und darf auf der ganzen Welt 8 Milliarden Mal eine andere sein und wird trotzdem für jeden Einzelnen zu 100% stimmen.

Was möchte ich also wirklich mit diesem Beitrag bezwecken? Nun, ich möchte versuchen, jedem Einzelnen dieser 8 Milliarden Menschen wieder etwas Toleranz ans Herz zu legen. Und zwar deswegen, weil wir in schweren Zeiten zusammenhalten und füreinander da sein sollten und uns nicht in verbalen Schlagabtäuschen auf Facebook oder durch Hassreden – egal von welchem Pol – voneinander abspalten sollten.

Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung und ich will sie niemandem aufdrängen. Ich will sie nur hier hinstellen und vielleicht berührt sie ja den Einen oder Anderen. Und wenn nicht, dann lasst sie einfach stehen und zieht unbesorgt weiter.

Ich habe vorhin gesagt, ich war zu Beginn selbst sehr stark in innerlichem Widerstand. Ich nehme mir aber schon seit Jahren immer sehr zu Herzen, was bestimmte Gefühle in mir hervorruft, und versuche, diese Dinge zu analysieren, damit ich daraus lernen und mich als Mensch und Seele weiterentwickeln kann. Ich will ja wachsen, das ist mein Ziel hier in diesem Leben.

In dieser Entwicklung ist es für mich sehr wichtig, zu lernen, Dinge nicht mehr sofort mit Emotionen zu bewerten und zu verurteilen. Jedes Urteil ist immer nur subjektiv und man weiß ja nie, was einen anderen Menschen in seinem Leben dazu bewegt hat, heute genauso zu reagieren, wie er oder sie es tut. Niemand kann aus seiner Haut raus.

Aber wir alle können versuchen, über uns und unsere persönlichen Grenzen hinauszuwachsen. Mein Ziel ist es im Moment, eine Mitte zu finden. Die Mitte in mir, die Mitte in der Krise und die Mitte in all den Millionen Meinungen. Ich möchte Dinge neutral betrachten können, andere Meinungen zulassen und niemandem für etwas böse sein. Ich übe noch. 🙂 Aber es klappt oft schon recht gut.

Nachdem ich nun einen Schritt zurückgemacht und mir die ganze Krise und alles, was dazugehört, von oben angesehen habe, habe ich viele verschiedene Wahrheiten für mich ganz allein festgestellt. Diese müssen aber nicht unbedingt auch die Wahrheiten für andere sein. Und das ist okay. Über meine Wahrheiten rede ich gerne offen mit anderen Menschen, aber nicht hier, denn das würde den Rahmen sprengen und es ist auch gerade nicht der Punkt. Wichtig ist, was ich dabei noch erkannt habe, nachdem ich selbst endlich den Widerstand aufgegeben habe.

Es ist eben diese fehlende Toleranz anderen Meinungen gegenüber. Ich habe gesehen, wie Menschen, die seit Jahren Freunde sind, sich gegenseitig beschimpfen und geradezu bekriegen, weil sie durch einen Virus gespalten wurden. Einer trägt eine Maske, der andere nicht. Einer besucht seine Familie, der andere nicht. Einer trägt einen lila Pulli, der andere einen braunen.

Ich glaube, ich bin so weit, dass ich beide Seiten verstehen kann.

Ich verstehe jene, die sagen: Bitte haltet euch an alle Maßnahmen, die uns vorgegeben werden, weil ich dieses EINE LEBEN geschenkt bekommen habe und ich möchte es um jeden Preis SCHÜTZEN.

Und ich verstehe jene, die sagen: Bitte lasst mich selbst entscheiden, ob ich eine Maske tragen will oder nicht, weil ich dieses EINE LEBEN geschenkt bekommen habe und ich möchte es uneingeschränkt LEBEN.

Beide Aussagen und Einstellungen stammen von sehr tiefen Emotionen ab. Es sind völlig unterschiedliche Emotionen, doch eine ist nicht weniger gewichtig als die andere. Wie man sich in dieser Krise entscheidet, ist schwer, weil es nun mal zwei sehr starke Gegenpole sind.

Aber es wäre schön, wenn wir uns dabei einfach hin und wieder mal eines in Erinnerung rufen würden: Fanatismus, egal von welcher Seite er ausgeht, ist kein besonders guter Ratgeber. Ich muss meinen Nachbarn nicht hassen, weil er eine oder weil er keine Maske trägt.

Wenn ich Angst hätte, mich anzustecken, würde ich für mich ganz allein alle Schutzmaßnahmen treffen, die ich treffen kann. Ich würde meine Maske tragen, Handschuhe, ich würde mich regelmäßig desinfizieren und ich würde den nahen Kontakt zu anderen Menschen meiden. Ich würde aber meinen Nachbarn nicht dazu zwingen, dasselbe zu tun, nur weil ich das für mich persönlich so haben möchte.

Und wenn ich keine Angst hätte, würde ich mein Leben so gut es geht weiterleben, ich würde hinausgehen, mich mit Menschen treffen, sie umarmen und mich unbeschwert mit ihnen austauschen. Doch ich würde Rücksicht auf jene nehmen, die nicht in meine Nähe kommen wollen, weil ich vielleicht keine Maske tragen würde.

Und in beiden Fällen wäre ich niemandem böse, weil er eine andere Meinung hat und eine andere Wahrheit in sich spürt.

Leben und leben lassen.

Wenn ich mich intensiv genug mit einem Thema beschäftige, finde ich auch immer sehr schnell eine sehr einfache Lösung für alles, die aber nur meiner persönlichen Wahrheit entspricht und für ganz viele andere unvorstellbar ist. Das macht nichts. Es ist ja nur meine Meinung und wenn ich selbst danach lebe, ist es für mich genauso gut, wie wenn 8 Milliarden anderen Menschen das ebenfalls oder eben nicht tun.

Vielleicht mag sich der Eine oder Andere unter euch auch mal in die Mitte dieser überaus schweren Wage stellen und versuchen, beide Meinungen zuzulassen. Neutral und unvoreingenommen. Keine Meinung ist besser als eine andere, weil wir alle ganz unterschiedliche Geschichten in uns tragen und unser Leben aus unterschiedlichen Gründen gewählt haben. Jeder möchte für sich selbst das Schönstmögliche aus diesem EINEN LEBEN, das er für sich auf dieser Welt bekommen hat, herausholen. Vielleicht könnt ihr es allen von Herzen gönnen, ohne euch wegen unterschiedlichen Verhaltensvorstellungen plötzlich nach jahrelanger Freundschaft anzufeinden.

Schenkt euren Nachbarn morgens ein freundliches Lächeln, egal ob ihr in manchen Dingen einer Meinung seid oder nicht. Unterhaltet euch angeregt über dieses Thema mit anderen, sagt eure Meinung freundlich, reicht euch am Ende der Unterhaltung die Hände oder winkt euch einfach zu und bleibt in eurer Mitte. Haltet als Menschen, als Volk zusammen. Erlaubt Menschen, ihre Meinungen zu äußern, ohne sie dafür auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu wollen oder sie aus eurer Freundesliste zu streichen. Denn meiner Meinung nach ist Toleranz nicht nur, wenn man die Ängste und Wünsche anderer anerkennt und Rücksicht nimmt.

Toleranz beginnt für mich da, wo ich andere Menschen und deren Geschichten wirklich sehe und sie akzeptieren kann, ohne sie zu bewerten. Toleranz beginnt im kleinsten Samenkorn, nicht erst bei der fertigen gelben oder blauen Blume.

Von Herzen.